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Medienmitteilung der Aktion "Trockene Nächte für tolle Tage"
27. Juni 2002

Bettnässen – Ärzte und Betroffene fordern bessere Aufklärung der Öffentlichkeit

Luzern. Rund 100 Teilnehmer/innen aus der ganzen Deutschschweiz – darunter Betroffene, Kindergärtnerinnen, Lehrer, Vertreter von Jugendorganisationen und aus medizinischen Berufen – haben am Mittwoch, 26. Juni 2002 die Veranstaltung «Bettnässen … und endlich reden wir darüber!» im Verkehrshaus Luzern besucht. Die Veranstaltung bildete den Schlusspunkt des Aktionsmonats zum Thema «Bettnässen» der beiden Kinder- und Jugendärzte Dr. med. Jean-Claude Wetzel aus Wetzikon und Dr. med. Stephan König aus Brig. Als Fazit fordern die Ärzte und Betroffenen eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit.

Rund 80’000 Kinder und Erwachsene leiden in der Schweiz an Bettnässen. Sie und ihre Familien leiden alle unter falschen Vorurteilen übers Bettnässen. Die medizinische Forschung hat längst gezeigt, dass Bettnässen vererbt wird. Es handelt sich in 9 von 10 Fällen um eine Reifungsstörung des zentralen Nervensystems. Trotzdem glauben laut Umfragen immer noch fast 90% der Bevölkerung und 54% der Kinderärzte, Bettnässen sei grundsätzlich psychisch bedingt. Skandalös ist, dass in verschiedenen medizinischen, pädagogischen und sozialen Ausbildungen, Bettnässen entweder nicht oder immer noch falsch («Das Kind weint ins Bett») thematisiert wird.

Dagegen wollten die beiden Kinder- und Jugendärzte Dr. Stephan König und Dr. Jean-Claude Wetzel ankämpfen und luden am Mittwoch, 26. Juni 2002 zur Veranstaltung «Bettnässen … und endlich reden wir darüber!» ins Verkehrshaus Luzern. Rund 100 Teilnehmer/innen aus der ganzen Deutschschweiz – darunter Betroffene, Kindergärtnerinnen, Lehrer, Vertreter von Jugendorganisationen und aus medizinischen Berufen – haben die Veranstaltung besucht.

Walter Bachmann, Direktionssekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern begrüsste die rund 100 Anwesenden aus der ganzen Deutschschweiz. Er zeigte sich sehr erfreut, dass Bettnässen im «Gesundheitskanton» Luzern als erstes öffentlich thematisiert werde. Er sprach den Anwesenden Mut zu, sich gegen schädliche Tabus aller Art zu engagieren.

Dr. med. Stephan König, Chefarzt der Pädiatrischen Klinik des Oberwalliser Kreisspitals in Brig, ging in seinem Referat auf Häufigkeit, Diagnose und Ursachen des Bettnässens ein. Bettnässen sei nach den Allergien die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Trotzdem interessierten sich viele Ärzte nicht für dieses Thema.
Dr. med. Jean-Claude Wetzel, Leiter einer Gruppenpraxis für Kinder und Jugendliche in Wetzikon, zeigte die modernen Therapievarianten und deren Wirkmechanismen auf. Es gibt den medikamentösen Ersatz eines körpereigenen Hormons, das bei Betroffenen nur in ungenügender Menge ausgeschüttet wird. Mittels eines Weckapparats lassen sich Reflexe der Blase trainieren. Daneben stehen Akkupunktur, Phytotherapie und Homöopathie zur Verfügung.

Anschliessend rief Dr. med. Wetzel die Anwesenden auf, das Tabu auf dem Bettnässen zu brechen und beispielsweise im Freizeitklub, in Jugendgruppen, in medizinischen Ausbildungen und unter Bekannten darüber zu sprechen. Nur so sei es möglich, dass mit falschen Vorurteilen aufgeräumt werden könne und in der Öffentlichkeit das nötige Verständnis für Bettnässer entstehe.

Die Veranstaltung werten die beiden Ärzte als grossen Erfolg. Es seien mehr Leute gekommen als sie erwartet hätten. Es gab auch viele positive Reaktionen der Teilnehmer/innen: «Ich habe an der Veranstaltung endlich andere Eltern mit dem gleichen Problem kennengelernt. Das hat mich ermutigt und mir gezeigt, dass ich nicht allein bin», sagte eine Mutter eines betroffenen Mädchens. Eine andere Teilnehmerin erzählte: «Ich habe an der Veranstaltung eine Frau aus dem gleichen Dorf getroffen. Unsere Söhne sind gleich alt und kommen jetzt zusammen in die Schule. Bisher wussten wir nichts voneinander. Jetzt werden wir und auch unsere Söhne uns gegenseitig unterstützen können!»

Als Fazit der Veranstaltung «Bettnässen … und endlich reden wir darüber!» fordern die beiden Kinder- und Jugendärzte mit den Betroffenen, die Öffentlichkeit besser über die Ursachen und Therapiemöglichkeiten des Bettnässens aufzuklären. Nur so verschwinden endlich alte Vorurteile, die den Betroffenen das Leben schwer machen.

Weitere Informationen zum Thema «Bettnässen» bei 0800 877 000 oder unter www.bettnaessen.ch.



Hinweise für Medienschaffende:

Die beiden Ärzte Dr. Stephan König und Dr. Jean-Claude Wetzel stehen ihnen gerne für Interviews zur Verfügung.

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