Zusammenfassung des Vortrags von Dr. med. Stephan König, Brig
Wie häufig ist Bettnässen?
Bettnässen ist nach den Allergien die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Etwa jedes zehnte Kind im Alter zwischen 6 und 10 Jahren ist betroffen. In der Schweiz rechnet man mit ca. 80000 direkt Betroffenen.
Wie wird Bettnässen festgestellt?
Typische Merkmale bei «echtem» Bettnässen (Primäre Enuresis nocturna) sind:
Das Kind ist «nass» seit Geburt.
Das Kind erwacht nicht bei Harndrang, bei Harnabgang oder durch das nasse Bett. Und es lässt sich auch durch Geräusche oder Berührung nur schwer wecken.
Das Kind ist bei Tag trocken und die Harnabgabe ist normal.
Es gibt Verwandte mit dem selben Problem.
Für eine Untersuchung braucht der Arzt:
1. Zeit für ein Gespräch mit Eltern und Kind
2. Eine körperliche Untersuchung des Kindes
3. Ein Routinelabor für Urinuntersuchungen
4. Eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege, wo Fehlbildungen festgestellt werden können.
5. Ein Protokoll der Flüssigkeitsbilanz (Fachbegriff: Miktionsprotokoll)
Im Gespräch stellt sich heraus, ob es sich wirklich um nächtliches Einnässen (Fachbegriff: Enuresis nocturna) handelt. Man spricht von Enuresis nocturna, wenn das Kind ab dem 5. Lebensjahr regelmässig oder mindestens zwei mal pro Monat einnässt. Und zwar nur nachts im Schlaf und nicht auch durch den Tag.
Unterschieden werden ferner zwei Arten von nächtlichem Einnässen: Von der so genannten Primären Enuresis nocturna spricht man, wenn das Kind nie oder nur über kurze Zeit trocken war. Bei 8590% der Patienten ist dies der Fall. Von Sekundärer Enuresis nocturna spricht man, wenn das Kind bereits während mindestens sechs Monaten trocken war und wieder begann einzunässen.
Was weiss man über die Ursachen von Bettnässen?
Bettnässen ist nicht psychisch bedingt. Nach heutigem Wissensstand hat Bettnässen nicht nur eine einzige Ursache, sondern mehrere. Die Ursachen lassen sich als «genetisch bedingte Reifungsstörung des zentralen Nervensystems» zusammenfassen.
Als Indiz für die genetischen Ursachen dienen beispielsweise folgende Zahlen:
Wenn beide Elternteile Bettnässer waren, wird das Kind in 77% der Fälle auch einnässen
Wenn ein Elternteil betroffen war, wird das Kind in 44% der Fälle auch einnässen
Wenn beide Eltern nicht eingenässt haben, wird das Kind auch nur in 15% der Fälle bettnässen
Folgende Störungen des Nervensystems werden als Ursachen genannt:
Die Meldungen aus der vollen oder sich entleerenden Blase werden nicht wahrgenommen oder führen nicht zum aufwecken.
Der Blasenentleerungsreflex wird nicht unterdrückt.
Fehlende Produktion des Hormons, das in der Niere während der Nacht die Urinproduktion drosselt
Speziell tiefer Schlaf
Bettnässen und Psyche
Kinder mit primärer Enuresis nocturna haben nicht mehr psychische Probleme als alle anderen Kinder. Hingegen haben Kinder, die schon mindestens sechs Monate trocken waren und wieder beginnen einzunässen (sekundäre Enuresis nocturna), häufiger als andere Kinder psychische Probleme. Warum das so ist, weiss man nicht genau. Der Zusammenhang zwischen Bettnässen und psychiatrischen Symptomen ist sehr unklar. Bettnässen kann auch psychische Probleme verursachen oder beidem liegen gemeinsame Risikofaktoren zugrunde, die man noch zu wenig genau kennt.
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